
Wo früher vor allem Muskelkraft und handwerkliche Routine gefragt waren, bestimmen heute Technik, Elektronik und digitale Systeme den Arbeitsalltag. Für Lehrlinge bedeutet das: mehr Wissen, mehr Tempo, mehr Verantwortung.
Mit einer Mischung aus Vertrauen, Praxisnähe und gezielter Förderung bereitet das Unternehmen Weinlich seine Lehrlinge Schritt für Schritt auf den Beruf vor. Im Mittelpunkt der Ausbildungsphilosophie von Lehrlingsbetreuer Turgut Bayguen steht ein einfacher Grundsatz: zuerst beobachten, dann fördern. „Lehrlinge orientieren sich an Monteuren und Vorgesetzten, wollen dazugehören, sich beweisen. Genau dort setze ich an: Stärken erkennen, Aufgaben passend zuteilen, Entwicklung ermöglichen. Wenn jemand merkt, dass er etwas gut kann, entsteht daraus oft die Leidenschaft für genau diese Arbeit.“
Lehrlinge bekommen früh Verantwortung: auf Baustellen, beim Kunden, in mehreren Teilaufgaben. Das wirkt. Bayguen: „Wenn wir ihnen etwas zutrauen, steigt die Motivation. Sie nehmen die Arbeit ernst, weil sie spüren: Wir vertrauen dir.“
Neue Lehrlinge kommen oft über Empfehlungen – Verwandte, Freunde oder Bekannte. Zusätzlich organisiert der Betrieb Lehrlings- und Schnuppertage mit Schulen, dem BFI oder dem AMS. Dabei zählt weniger das Zeugnis als die Haltung: Interesse, Lernbereitschaft und Disziplin sind wichtiger als perfekte Noten. Turgut Bayguen: „Ein 15‑Jähriger ist oft noch auf der Suche. Wenn jedoch echtes Interesse und handwerkliches Geschick vorhanden sind, spielen Schulnoten eine untergeordnete Rolle.“
Respekt, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit
Was erwartet wird, ist klar: pünktlich sein, respektvoll auftreten, verlässlich bleiben. Die ersten Tage laufen bewusst praxisnah: Lehrlinge lernen Werkzeuge kennen und erleben erste Kundenkontakte. Beim Kunden zählen Höflichkeit und Sauberkeit – und schon am zweiten Tag dürfen sie meist mit anpacken. „Im Alltag sehen wir dann, wie sie Informationen aufnehmen und umsetzen.“ Und wenn etwas nicht klappt? „Dann ist das kein Weltuntergang. Vertrauen und Lob bringen Lehrlinge ins Mitdenken.“ Wer selbstständig arbeiten darf, entwickelt Teamgeist – und wächst.
Wenn Motivation fehlt
Geduld gehört dazu – aber nicht um jeden Preis. Wenn Gespräche nichts mehr bewirken, wird die Geschäftsleitung eingebunden. Manchmal ist es besser, getrennte Wege zu gehen, um Platz für neue, motivierte Jugendliche zu schaffen. „Manche wissen noch nicht, was sie wollen – das ist normal. Wenn aber kein echtes Interesse am Beruf da ist, liegen die Ursachen oft woanders.“ Regelmäßige Schulungen sind fixer Bestandteil der Ausbildung – auch die Lehrlinge nehmen daran teil und setzen das Gelernte gemeinsam in der Praxis um. Die Mitgliedschaft in der 1a‑Gemeinschaft stärkt dabei nicht nur das fachliche Niveau, sondern vermittelt auch Stolz und Identität: das Bewusstsein, Teil eines starken Netzwerks zu sein.